Seit dem 1. Jänner 2024 gelten in Österreich strengere Regeln für Glücksspielanbieter, die sich auf das DDE-Modell (Dienstleistungs- und Erbringungsmodell) und das AA-T-System (Automatisiertes Auszahlungs- und Transparenzsystem) stützen. Diese Änderungen, die unter dem Dach des Glücksspieländerungsgesetzes (GÄG 2023) verankert sind, zielen darauf ab, Spielsuchtprävention, Transparenz und die finanzielle Stabilität der Anbieter zu verbessern – mit weitreichenden Auswirkungen auf die Branche.
Das DDE-Modell, das bereits in anderen EU-Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden etabliert ist, ermöglicht Glücksspielanbietern, ihre Dienstleistungen über Plattformen wie Online-Casinos oder Glücksspielautomaten (GLA) zu erbringen, ohne direkt in Österreich zu operieren. Doch die österreichische Aufsichtsbehörde, die Österreichische Glücksspielaufsichtsbehörde (ÖGÄB), hat nun klare Vorgaben formuliert: Ab dem 1. Jänner 2024 müssen alle Anbieter, die über das DDE-Modell aktiv sind, eine neue Lizenz nach dem AA-T-System beantragen. Dieses System soll die Auszahlungen an Spieler:innen transparenter gestalten und gleichzeitig die Risiken von Spielsucht minimieren.
Ein zentraler Unterschied zum bisherigen System liegt in der automatisierten Auszahlungsverpflichtung: Statt dass Spieler:innen manuell nachweisen müssen, dass sie über ausreichende Mittel verfügen, um ihre Wette oder ihr Spielgeld zurückzuzahlen, übernimmt der Anbieter diese Prüfung per Software. Dies soll nicht nur den Verwaltungsaufwand reduzieren, sondern auch die Betrugsrisiken verringern. Gleichzeitig wird die Transparenz der Auszahlungen durch eine digitale Verknüpfung mit Bankkonten oder Kreditkarten sichergestellt. Werden Spielgeldbeträge nicht innerhalb von 30 Tagen ausgezahlt, greift automatisch eine Sperrung der Kreditkarte oder ein Guthabenabzug.
Doch die neuen Regeln wirken sich auch auf die Finanzierung der Anbieter aus. Seit dem 1. Jänner 2024 müssen alle DDE-Anbieter eine Sonderabgabe von 1,5 % auf alle ausgezahlten Spielgeldbeträge abführen. Diese Abgabe fließt in ein neues Glücksspielfonds, der gezielt in Spielsuchtprävention und Beratungsangebote investiert wird. Gleichzeitig wird die Maximalauszahlung pro Spiel auf 100 Euro pro Transaktion begrenzt, um die Risiken von Churning – also dem häufigen Wechsel zwischen verschiedenen Anbietern – zu reduzieren. Diese Maßnahmen sollen die Spieler:innen vor finanziellen Ausfällen schützen und gleichzeitig die Wettbewerbsbedingungen für die Anbieter fairer gestalten.
Die Auswirkungen auf die Praxis sind bereits spürbar. So müssen Anbieter wie FlashBet oder Bet365 Austria ihre Systeme überarbeiten, um die neuen AA-T-Vorgaben zu erfüllen. Besonders betroffen sind die Online-Casino-Anbieter, die nun nicht nur ihre Auszahlungsprozesse, sondern auch ihre Bonussysteme anpassen müssen. Viele bieten bereits seit Anfang 2024 keine neuen Bonusaktionen mehr an, die über die regulären Auszahlungslimits hinausgehen. Stattdessen setzen sie auf langfristige Treueprogramme, die Spieler:innen mit kleinen, regelmäßigen Belohnungen belohnen.
Ein weiterer Aspekt, der die Branche vor neue Herausforderungen stellt, ist die Verpflichtung zur Spieler:innen-Datenanalyse. Die ÖGÄB fordert von allen Anbietern, dass sie ihre Daten analysieren und bei Anzeichen von Spielsucht oder riskantem Spielmaßnahmen ergreifen. Dazu gehören unter anderem automatisierte Warnsysteme, die Spieler:innen nach bestimmten Spielverhalten auffordern, eine Beratung zu suchen. Dies ist ein radikaler Wandel gegenüber der bisherigen Praxis, bei der Anbieter oft nur auf freiwillige Meldungen von Spieler:innen reagierten.
Ob diese neuen Regeln die Branche langfristig stabilisieren oder zu einer Abwanderung der Spieler:innen in Länder mit weniger strengen Gesetzen führen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Einiges spricht dafür, dass die strengeren Vorgaben die Glaubwürdigkeit der Anbieter erhöhen und gleichzeitig die Spielsuchtprävention vorantreiben. Gleichzeitig könnte die höhere Abgabepflicht einige Anbieter jedoch in eine existenzielle Krise stürzen, die sich besonders bei kleineren Plattformen bemerkbar machen wird. Die nächsten Monate werden zeigen, wie sich die österreichische Glücksspielbranche an die neuen Rahmenbedingungen anpasst.